„Vertikales Flimmern: Holtermans‘ Rückkehr aus dem Unterholz“
Von Dr. Caspar von Lindenthal, Institut für pigmentäre Tiefenforschung
Es rauscht. Es zischt. Es wächst. Dieses Bild lebt nicht auf der Leinwand es durchwuchert sie.
Patrick Holtermans neuestes Werk ist keine Komposition es ist ein Klimazonenwechsel. Vom Auge direkt in den Stirnlappen.
Die vertikal gezogenen Bahnen in Blau, Grün und Schwarz-Weiß wirken wie ein abstraktes Tropenbiotop unter UV-Licht. Ein digitaler Urwald. Oder der Moment, wenn der Regenwald beschließt, mit Spotify zusammenzuarbeiten.
Die verwendeten Farben? Ein Tropfen chlorophyllgetränkter Wahnsinn neben einem Eimer arktischer Melancholie.
Die Textur? Teilweise glasiert, teilweise aufgerissen als hätte das Bild sich beim Wachsen selbst verletzt.
Und doch bleibt es offen. Kein erzählter Raum. Kein Zwang zur Interpretation.
Nur ein Angebot: „Schau rein. Und dann schau, ob du wieder rausfindest.“
Dieses Werk markiert eine neue Etappe in Holtermans‘ Werk: Vertikale Bewegung als Vokabular des Widerstands.
Widerstand gegen das Glatte, das Fertige, das Gefällige. Hier wird geschichtet, getropft, geschliffen mit Schalk und Spachtel.
Fazit:
Wer in diesem Bild nur Dschungel sieht, hat die eigentliche Wildnis übersehen: das eigene Farbbewusstsein