Holger Ziebarth

Fast schon zu gut. Ein Fotokünstler der aus Betonstaub Verse macht und irgendwann von der ZEIT entdeckt wird.

Zwischen Kabeltrommel und Kontrollgang, der Lagerarbeiter als Bildender Künstler

Neu Wulmstorf. Ein Ort, den man nicht kennt, wenn man ihn nicht kennen muss. Hier, im Halbschatten logistischer Notwendigkeit, arbeitet Holger Ziebarth Lagerlogistiker, Jahrgang 1981. Kein Absolvent einer Kunstakademie. Kein Instagram-Profil mit weißem Rahmen. Dafür: ein Blick, der sich nicht mit Oberfläche zufrieden gibt.

Während andere palettieren, scannt Ziebarth Strukturen. Während geputzt wird, hält er inne. Nicht aus Faulheit, aus Haltung. Seine Motive: sich türmende Kabeltrommeln, gestürzte Ordnung, flüchtige Sauberkeit. Die Halle wird zum Atelier, das Lager zur Bühne funktionaler Absurdität.

Was Ziebarth fotografiert, ist weder Pose noch Pathos. Es ist Zustand. Vielleicht auch: Zivilisationsmüll mit Würde. Die Fotos sind präzise und beiläufig zugleich, wie Notizen in einem Logbuch, das nie geschrieben wurde.

Ziebarth nennt das nicht Kunst. Aber was, wenn es das gerade deshalb ist

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